Werbung im Wahlkampf: Wie Parteien um die Stimmen der Bürger kämpfen

Am 23. Februar steht die Bundestagswahl 2025 bevor. Seit Wochen kämpfen die einzelnen Parteien darum, die Wähler für sich zu gewinnen und werben für ihre Ziele und Spitzenkandidaten, um die möglichst meisten Stimmen der Bürger zu erhalten.
Aber wie genau werben Parteien eigentlich für sich und was ist die Strategie dahinter?

Was steckt hinter Wahlplakaten und Wahlwerbespots?

Werbung ist heutzutage immer und überall zu finden und kaum umgehbar. Sie ist ein ständiger Begleiter, den wir immer mit uns tragen. Egal, ob beim Zeitung lesen am Frühstückstisch, im Radio auf dem Weg zur Arbeit oder beim abendlichen Fernsehschauen – Werbung finden wir überall. So ist es tatsächlich auch mit den Werbekampagnen der Parteien. Schon 6 bis 7 Wochen vor dem Wahlkampf tauchen plötzlich immer mehr Wahlplakate auf, die die Straßen Deutschlands mit zielstrebigen Gesichtern, kurzen Slogans und Schlagwörtern schmücken.

Man könnte meinen, dass Wahlplakate heutzutage überflüssig geworden sind, jedoch sind sie ein Werbemittel, das selbst im Zeitalter von Social Media nicht wegzudenken ist. Wahlplakate sind zeitlos und haben einen großen Vorteil: Aufgrund dessen, dass man Wahlplakate ausschließlich an öffentlichen Plätzen findet, können Wähler sämtlicher Bevölkerungsgruppen erreicht und für sich gewonnen werden, ohne das Eingreifen von Medien oder Algorithmen.

Foto von Marek Studzinski auf Unsplash

Foto von Julia Taubitz auf Unsplash

Ebenso haben Wahlplakate einen psychologischen Effekt auf uns. Laut dem Exposure-Effekt wird ein Objekt oder eine Person in unsere Wahrnehmung sympathischer, desto häufiger man das Objekt bzw. die Person sieht. Sprich, je häufiger Sie ein Wahlplakat einer bestimmten Partei sehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Gefallen an der Partei finden und diese dementsprechend wählen. Mit diesem psychologischen Trick ist es den Parteien möglich, die Stimmen der Wahlberechtigten für sich zu gewinnen. Wichtig ist natürlich, sich aus der Menge herauszuheben, um sich von anderen Parteien abzuheben.

Die CDU zum Beispiel zeigt ihre Spitzenkandidaten oder stellt das Thema „Verantwortung“ mit Bildern von Fachleuten dar, während die Grünen häufig Naturschutz oder Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Im Gegensatz dazu gestaltet Die Partei ihre Wahlplakate mit provozierenden Sprüchen, die von Ironie und Sarkasmus geprägt sind. Im Jahr 2021 hieß es „250,– Euro Kneipengutschein für jeden!“ auf einem ihrer Plakate. Damit kommen sie besonders bei den Jüngeren oft ins Gespräch.

Abgesehen von Wahlplakaten gibt es jedoch auch andere Werbemöglichkeiten, wie die Wahlwerbespots. Wahlwerbespots im Fernsehen oder im Radio werden unter anderem genutzt, da nicht alle Menschen in den sozialen Netzwerken vertreten sind. Besonders ältere Generationen, die wenig mit Plattformen wie Instagram und Co. zu tun haben, werden so von den entsprechenden Parteien abgeholt.

Mit schönen Bildern und Kameraeinstellungen wird eine positive Atmosphäre geschaffen, die einen ebenso positiven Gesamteindruck beim Zuschauer hinterlassen soll. Ähnlich wie bei einer Produktwerbung. Konkrete politische Botschaften gehen in den Wahlwerbespots dadurch meist unter – tatsächlich ist dies jedoch strategisch so gewollt. Der Grund? Wenn eine Partei ihre Koalitionen dann doch nicht umsetzen oder einhalten kann, bekommt sie keine Vorwürfe, ihr Wort gebrochen oder sogar Wahlbetrug begangen zu haben. Wie auch bei den Wahlplakaten geht es hierbei darum, sich von den gegnerischen Parteien abzuheben. Die FDP nutzt hierfür den Rückblick auf historische Ereignisse in der Bundesrepublik mit dem Motto „Alles lässt sich ändern“ und verspricht so eine positive Veränderung der Wirtschaft. Die Linke hingegen zeigt die Fehler und nicht eingehaltenen Versprechen der gegnerischen Parteien auf und verspricht, die Partei zu sein, die ihre Ziele und Versprechen wirklich einhält.

Foto von Mika Baumeister auf Unsplash

Vielfalt für sich nutzen!

Broschüren und Flyer sind im Wahlkampf ebenso wichtig wie die Wahlplakate und Wahlwerbespots. Viele Parteien haben hier den Dreh raus, um möglichst viele Leute und Wähler mit ihrem Wahlprogramm zu erreichen, während andere Parteien sich schwertun. Die Grünen haben ihren 4-Punkte-Flyer frei verfügbar auf ihrer Website, so ist dieser leicht und frei zugänglich für die Bürger. Schon allein dadurch generieren sie eine größere Reichweite. Das Besondere daran? Den Flyer gibt es in einer Vielzahl an Sprachen und nicht nur auf Deutsch. Zudem ist der Flyer online auch zum Übersetzen in Gebärdensprache verfügbar sowie in einem leichteren Deutsch und ist somit barrierefrei. Diese strategische Offenheit und Zugänglichkeit ermöglicht es, ein breites Wählerfeld anzusprechen, von denen viele vielleicht sonst nicht die Möglichkeit hätten, sich tiefgehender mit den politischen Programmen auseinanderzusetzen.

Foto von Bianca Ackermann auf Unsplash

Warum sollten Parteien auch auf sozialen Plattformen für sich werben?

Immer häufiger versuchen einzelne Parteien, auch die junge Generation für sich zu gewinnen. Gerade die jüngsten Wahlberechtigten sind für die Parteien schwer zu erreichen.

Viele Parteien, besonders die großen, sind in sozialen Medien aktiv, um auch die jungen Leute für sich zu gewinnen. Unter den verschiedenen Parteien hat die AfD auf ihren TikTok-, Instagram- und Facebook-Kanälen die meisten Follower. Sie sind nämlich schon länger auf den besagten Plattformen unterwegs, da sie ihre Inhalte in den klassischen Medien nicht platzieren konnten.

Fast jeden Tag wird auf dem Kanal der AfD Sachsen ein Video hochgeladen. Die Videos enthalten Großbuchstaben-Untertitel, Redeausschnitte von Spitzenkandidat Jörg Urban, sind kaum bis gar nicht aufwendig gestaltet und passen so perfekt in die TikTok-App. Dementsprechend haben sie auch viele junge Wähler.

Rund 17 % der AfD-Stimmen zur Europawahl kamen von den 16- bis 24-Jährigen.

Auch die Linke und die SPD, insbesondere Olaf Scholz selbst, versuchen, die junge Zielgruppe auf TikTok und Co. abzuholen, indem sie versuchen, Trends aufzugreifen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Gerade TikTok wird von über 22 Millionen Deutschen genutzt und ist für viele eine Hauptinformationsquelle.

Das viele Politiker und Parteien eine so große Plattform für die längste Zeit ignoriert haben, wird ihnen bei dem Kampf um die jungen Wähler zum Verhängnis.

Ein Handy auf dem man die verschiedenen Verknüpfungen von Social Media Plattforen auf dem Home-Display sieht.

Foto von Sara Kurfeß auf Unsplash

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Wahlkampf 2025 nicht nur durch traditionelle Werbemittel wie Wahlplakate und Broschüren geprägt ist, sondern auch zunehmend von digitalen Plattformen und modernen Medienstrategien bestimmt wird.

Dieser Blogbeitrag wurde von Heidschnucki verfasst

Heideschnucki steht nicht gerne in der Öffentlichkeit und möchte deshalb anonym bleiben. Heidschnucki lässt es sich jedoch nicht nehmen, sein Wissen mit Ihnen in unserem Blog zu teilen.

Weitere Beiträge

Marketing

Das Michelin Männchen

In der Welt der Werbung gibt es zahlreiche ikonische Figuren, die sich im kollektiven Gedächtnis der Verbraucher verankert haben, aber kaum eines ist so relevant wie das Michelin Männchen namens Bibendum (kurz: Bib).

Jetzt Weiterlesen